Beim Bauzins ist das Tief nicht erreicht

Die Rekordjagd der Bauzinsen erreicht einen vorläufigen Höhepunkt. Hintergrund ist ein offener Schlagabtausch zwischen den USA und China. Dadurch setzt eine Fluchtwelle in Sichere Häfen ein, zu denen auch deutsche Bundesanleihen zählen. Resultat: Ein zehnjähriges Baudarlehen über 300.000 Euro ist für einen Jahreszins ab 0,37% zu haben.

Der Zins auf die zehnjährige Bundesanleihen fällt auf -0,60%, nachdem US-Präsident Trump aus heiterem Himmel neue Strafzölle auf chinesische Produkte verhängt. Die Antwort Pekings lässt nicht lange auf sich warten: Chinas Zentralbank wertet die Landeswährung Yuan ab, was an den Börsen für Turbulenzen sorgt. Daraufhin stuft stuft Trump China als Währungsmanipulator ein.
Neben denen als besonders sicher geltenden Bundesanleihen profitieren die Sichern Häfen Gold und der Schweizer Franken von Zwist zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Für 1 Euro gibt es nur noch 1,0860 Franken. Das ist so wenig wie das letzte Mal vor zwei Jahren. Der Goldpreis klettert mit 1.509 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) auf den höchsten Stand seit sechs Jahren.

Zinsmargen wackeln


"Potenzielle Häuslebauer sollten die Gunst der Stunde nutzen und endlich Nägel mit Köpfen machen", sagt Horst Biallo, Gründer des Verbraucherportals biallo.de. Denn viel günstiger als jetzt werde es wohl kaum. Im Schnitt wird aktuell für einen zehnjährigen Baukredit 0,86% fällig. Obige 0,37% dürfte einer kleinen Gruppe besonders bonitätsstarker Schuldern vorbehalten sein.

Banken refinanzieren ihre Immobilienkredite hauptsächlich über die Ausgabe von Pfandbriefen. Und hier kommen sie wie der Bund in den Genuss von negativen Zinsen. Der Zins für eine Pfandbrieflaufzeit von zehn Jahren liegt aktuell bei etwa -0,10%. Banken schlagen auf diesen Zins im Schnitt 0,60% drauf.

Die aktuelle Marktsituation würde es also gebieten, dass für zehnjähriger Baukredite im Mittel nicht 0,86% fällig werden, sondern 0,50% (-0,10% Pfandbriefzins plus 0,60% Zinsmarge = 0,50% Bauzins). Es ist demzufolge Spielraum für noch tiefere Bauzinsen vorhanden. Sollte es zu einem harten Brexit kommen und China seine Währung weiter abwerten, wären weitere Börsenturbulenzen unvermeidbar. Noch tiefere Zinsen wären die Folge.