Heißer Herbst trotz Sub-Zero Bauzinsen

Der Zins auf die 10-jährige Bundesanleihe sinkt auf ein neues Rekordtief bei -0,46%: Für einen Zins von +0,46% gibt es aktuell laut dem Vergleichsportal "biallo.de" eine zehnjährige Baufinanzierung bei der HypoVereinsbank. Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet das nächste umfassende Lockerungpaket. Ferner bahnt sich ein harter Brexit unter dem neuen Premier Johnson an. Das alles legt nahe, dass die Zinsen noch tiefer fallen werden.

Im September wird die EZB ihren Einlagenzins aller Voraussicht nach um 0,20% absenken. Noch liegt der Einlagenzins bei -0,40%. Auch hier gibt es ein Rekord, über den fast niemand spricht. Zum ersten Mal in der Geschichte des Euros ist der Bundesanleihe-Zins niedriger als der EZB-Einlagenzins. Laut dem Finanzdienst Bloomberg führt das dazu, dass Anleger sich stärker riskanteren Staatsanleihen aus Italien und Griechenland zuwendeten.

Neben einer EZB-Zinssenkung wird es aller Voraussicht nach das nächste Wertpapierkaufprogramm (QE2) starten. Ziel ist es das schwache Wachstum in der Eurozone, vor allem in Deutschland, Frankreich und Italien, anzukurbeln. Es besteht die akute Gefahr, dass Großbritanniens neuer Premierministerd Boris Johnson am 31. Oktober 2019 die EU ohne Abkommen verlässt. Dies würde aller Voraussicht nach die Eurozone in eine Rezession zurückwerfen. Bei einem harten Brexit wären die als besonders sicher geltenden Bundesanleihen noch stärker gefragt.

Und so muss man inzwischen damit rechnen, dass der Bundesanleihe-Zins auf -0,60% oder sogar noch tiefer sinken wird. Von den Sparern erhoffte steigende Zinsen rücken in weite, vielleicht sogar unerreichbare Ferne. Haushalte, die etwas auf der hohen Kante haben und bereits in den eigenen vier Wänden leben, könnten mit dem Ersparte eine weitere Immobilie finanzieren. Baufinanzierungsexperten empfehlen einen Anteil von Eigenkapital am Kaufpreis von mindestens 20%.

Fazit:
Die EZB wird im September die Geldschleusen aufreißen und damit die Zinsen noch tiefer in den Keller schicken. Politische Unsicherheit wie der Brexit und der Handelsstreit mit den USA drücken die Bauzinsentwickung runter. Wegen ihnen steigt die Nachfrage nach Bundesanleihen, was im Gegenzug dazu führt, dass deren Zins noch tiefer ins negative Terrain absackt.