Für deutsche Privathaushalte, die Immobiliendarlehen mit niedrigen Bauzinsen am laufen haben, steht eine wichtige Entscheidung auf EU-Ebene an. Es geht um den nächsten Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Der aus dem Amt scheidende EZB-Chef Mario Draghi war ein echter Glücksfall für Kreditnehmer. Während seiner Amtszeit sank die Bauzinsentwicklung für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung von 3,5% auf 0,8%. Leitet ein EZB-Chef Jens Weidmann eine Trendwende? Kommt es zu steigenden Bauzinsen?
Ein geldpolitischer Falke nach dem Format von Ex-Bundesbankchef Axel Weber oder des früheren Chefs der US-Notenbank (Fed), Paul Volcker, ist Jens Weidmann sicherlich nicht. Er hat sehr viele der geldpolitischen Lockerungen, die ihm Draghi in den letzten acht Jahren vorlegte, abgesegnet. Bei Whatever-it-Takes scherte der Deutsche zwar aus und widersprach im EZB-Rat. Jedoch das Versprechen der EZB, notfalls kein Euroland pleitegehen zu lassen, in dem seine Schulden mithilfe der EZB-Notenpresse tragbar gemacht werden, ist längst nicht mehr wegzudenken.
"Die (Whatever-it-Takes) Entscheidung wurde getroffen und die EZB muss damit leben", sagt der frühere EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing. "Er (Weidmann) kann nicht etwas rückgängig machen, was in der Vergangenheit entschieden wurde, und werde auch keine derlei Absichten hegen", zitiert der Finanzdienst "Bloomberg" Issing, der die EZB in ihren ersten Jahren sehr stark prägte und auf die Entscheidungen des damaligen EZB-Chefs Wim Duisenberg durch seine volkswirtschaftlichen Analysen und Prognosen einen sehr hohen Einfluss hatte. Ein Anstieg der Bauzinsen, ausgelöst durch ein Rückgängigmachen von Whatever-it-Takes, ist daher keine Gefahr.
Es gibt eine weitere, latente Unsicherheit für Baudarlehensnehmer: So könnte Weidmann den EZB-Einlagenzins (-0,40%) eigenmächtig auf -0,25% anheben, damit der Abstand zu dem bei 0,00% liegenden Hauptrefinanzierungssatz (dem eigentlichen Leitzins) und der Spitzenfazilität (0,25%) wieder gewährt wäre. Ein solcher deutscher Alleingang gilt allerdings als undenkbar. Die EZB ist eine extrem konsensorientierte Notenbank. Jens Weidmann möchte an den Mittwochabenden vor den EZB-Sitzungen, wenn die Euro-Währungshüter zum gemeinsamen Abendessen zusammenkommen, ganz sicher nicht alleine am Tisch sitzen.
Man sollte den psychologischen Effekt auf die Finanzmärkte, den die Ernennung von Jens Weidmann zum EZB-Chef hätte, allerdings nicht unterschätzen. Hinzu kommt: Der Zins auf zehnjährige Bundesanleihen, von dessen Entwicklung die Bauzinsen abhängen, ist in den letzten Monaten womöglich über Gebühr gefallen. Er sank seit Jahresbeginn von 0,25% auf -0,25%.
Der Rückgang hängt zum einen mit der recht deutlichen Konjukturabkühlung Deutschlands zusammen. Zum anderen kaufen Anleger Bundesanleihen, weil die Papiere den Status eines Sicheren Hafens haben. Hintergrund ist der von US-Präsident Trump vom Zaun gebrochene Handelskrieg mit China und die ungelöste Brexit-Frage. Zuletzt kam die Iran-Krise hinzu. Darüber hinaus gibt es ein nicht zu unterschätzendes Risiko, dass Trump auf EU-Autoimporte Strafzölle verhängt. Deutsche Bundesanleihen "sind aktuell der Blitzableiter für die Ängste des Marktes", zitiert "Fonds Online" Gordon Brown, Portfoliomanager von dem Vermögensverwalter Western Asset Management.
Fazit:
Von einem EZB-Chef Jens Weidmann wird kein nachhaltiger Anstieg der Bauzinsentwicklung ausgehen. Eine EZB-Leitzinswende, die die Bauzinsen mit nach oben zöge, kann der Deutsche nicht anpacken, da die Eurozonen-Konjunktur zu schwach und die Inflation zu niedrig ist. Die Zinsen könnten allerdings steigen, sollte sich die deutsche Konjunktur 2020 erholen und die internationalen Gefahrenherde verschwinden. Beides ist unwahrscheinlich, als US-Präsident Trump Munition braucht, um wiedergewählt zu werden und die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft aufgrund des überschaubaren Reformeifers der Merkel-Regierung nicht geringer werden.
Ein geldpolitischer Falke nach dem Format von Ex-Bundesbankchef Axel Weber oder des früheren Chefs der US-Notenbank (Fed), Paul Volcker, ist Jens Weidmann sicherlich nicht. Er hat sehr viele der geldpolitischen Lockerungen, die ihm Draghi in den letzten acht Jahren vorlegte, abgesegnet. Bei Whatever-it-Takes scherte der Deutsche zwar aus und widersprach im EZB-Rat. Jedoch das Versprechen der EZB, notfalls kein Euroland pleitegehen zu lassen, in dem seine Schulden mithilfe der EZB-Notenpresse tragbar gemacht werden, ist längst nicht mehr wegzudenken.
"Die (Whatever-it-Takes) Entscheidung wurde getroffen und die EZB muss damit leben", sagt der frühere EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing. "Er (Weidmann) kann nicht etwas rückgängig machen, was in der Vergangenheit entschieden wurde, und werde auch keine derlei Absichten hegen", zitiert der Finanzdienst "Bloomberg" Issing, der die EZB in ihren ersten Jahren sehr stark prägte und auf die Entscheidungen des damaligen EZB-Chefs Wim Duisenberg durch seine volkswirtschaftlichen Analysen und Prognosen einen sehr hohen Einfluss hatte. Ein Anstieg der Bauzinsen, ausgelöst durch ein Rückgängigmachen von Whatever-it-Takes, ist daher keine Gefahr.
Es gibt eine weitere, latente Unsicherheit für Baudarlehensnehmer: So könnte Weidmann den EZB-Einlagenzins (-0,40%) eigenmächtig auf -0,25% anheben, damit der Abstand zu dem bei 0,00% liegenden Hauptrefinanzierungssatz (dem eigentlichen Leitzins) und der Spitzenfazilität (0,25%) wieder gewährt wäre. Ein solcher deutscher Alleingang gilt allerdings als undenkbar. Die EZB ist eine extrem konsensorientierte Notenbank. Jens Weidmann möchte an den Mittwochabenden vor den EZB-Sitzungen, wenn die Euro-Währungshüter zum gemeinsamen Abendessen zusammenkommen, ganz sicher nicht alleine am Tisch sitzen.
Blitzableiter
Man sollte den psychologischen Effekt auf die Finanzmärkte, den die Ernennung von Jens Weidmann zum EZB-Chef hätte, allerdings nicht unterschätzen. Hinzu kommt: Der Zins auf zehnjährige Bundesanleihen, von dessen Entwicklung die Bauzinsen abhängen, ist in den letzten Monaten womöglich über Gebühr gefallen. Er sank seit Jahresbeginn von 0,25% auf -0,25%.
Der Rückgang hängt zum einen mit der recht deutlichen Konjukturabkühlung Deutschlands zusammen. Zum anderen kaufen Anleger Bundesanleihen, weil die Papiere den Status eines Sicheren Hafens haben. Hintergrund ist der von US-Präsident Trump vom Zaun gebrochene Handelskrieg mit China und die ungelöste Brexit-Frage. Zuletzt kam die Iran-Krise hinzu. Darüber hinaus gibt es ein nicht zu unterschätzendes Risiko, dass Trump auf EU-Autoimporte Strafzölle verhängt. Deutsche Bundesanleihen "sind aktuell der Blitzableiter für die Ängste des Marktes", zitiert "Fonds Online" Gordon Brown, Portfoliomanager von dem Vermögensverwalter Western Asset Management.
Fazit:
Von einem EZB-Chef Jens Weidmann wird kein nachhaltiger Anstieg der Bauzinsentwicklung ausgehen. Eine EZB-Leitzinswende, die die Bauzinsen mit nach oben zöge, kann der Deutsche nicht anpacken, da die Eurozonen-Konjunktur zu schwach und die Inflation zu niedrig ist. Die Zinsen könnten allerdings steigen, sollte sich die deutsche Konjunktur 2020 erholen und die internationalen Gefahrenherde verschwinden. Beides ist unwahrscheinlich, als US-Präsident Trump Munition braucht, um wiedergewählt zu werden und die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft aufgrund des überschaubaren Reformeifers der Merkel-Regierung nicht geringer werden.