Zur Bauzinsentwicklung im Juli 2019

Kreditnehmer und potenzielle Immobilienkäufer reiben sich die Hände. Eine 10-jährige Baufinanzierung ist zu einem effektiven Jahreszins ab 0,60% zu haben. Da ist es angesichts der Inflation in Deutschland, die zuletzt bei 1,4% lag, eine sehr interessante Sache sich zu verschulden. Wegen des Baubooms kommt der Auswahl des Objektes und dessen Preis ein sehr hoher Stellenwert zu.

Die Zinsspanne der Anbieter reicht von 0,6% bei der günstigsten Bank bis 1,2% bei der teuersten. Im Mittel liegt der effektive Jahreszins für eine zehnjähriger Zinsbindung aktuell bei 0,9%, wie ein Vergleich auf "biallo" zeigt. Vor einem Jahr waren es 1,4%. Der Zinsrückgang geht auf die konjunkturelle Abkühlung und die von der Europäischen Zentralbank (EZB) abgesagte Leitzinserhöhung zurück.

Vor einem Jahr haben die Research-Abteilungen der Banken viel Zeit damit verbracht, zu analysieren, wann die EZB eine erste Leitzinserhöhung durchführt. Inzwischen hat sich die Lage komplett geändert. Viele Geldhäuser rechnen für September 2019 mit Leitzinssenkungen, obschon der EZB-Einlagenzins, der potenzielle Häuslebauer über Bereitstellungszinsen trifft, bereits bei -0,40% liegt. Der Hauptrefinanzierungssatz - das ist der eigentlich EZB-Leitzins - ist bei 0%.



Aus den Preisen von Zinsfutures lässt sich ablesen, dass die Finanzmärkte fest damit rechnen, dass Mario Draghi noch bevor er Ende Oktober 2019 aus dem Amt scheidet, die beiden Sätze um jeweils 0,10% senken wird. Darüber hinaus rechnet die Börsen-Community damit, dass die EZB zwischen Oktober 2019 und März 2020 ein zweites Wertpapierkaufprogramm (QE2) auflegt. Finanzminister Olaf Scholz wird das freuen.

Wegen negativen Zinsen verdient der Staat an der Kreditaufnahme. Der Zins auf die zehnjährige Bundesanleihe liegt aktuell bei -0,30%. Die Zinsexperten der Bayerischen Landesbank und der Commerzbank rechnen damit, dass es bis Ende 2019 auf -0,40 bis -0,50% runtergeht. Damit würden auch die Bauzinsen, die sich an der Bundesanleihe sehr stark orientieren, weiter fallen.

Wunschimmobilie finden

Anders als vor zehn Jahren, besteht die Schwierigkeiten für potenzielle Immobilieneigentümer inzwischen nicht mehr darin, einen zinsgünstigen Immobilienkredit zu bekommen. Vielmehr geht es darum die Wunschimmobilie zu einem vernünftigen Preis zu finden.  Das ist wegen des Baubooms und der kräftig gestiegenen Immobilienpreise ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Es tun sich zwei Probleme auf:
  1. Kauft man eine Bestandsimmobilie, so läuft man Gefahr wegen des bereits seit einem Jahrzehnt laufenden Immobilienbooms einen zu hohen Preis zu bezahlen. Dies kann die Ersparnis durch die niedrige Zinsen wieder zunichte machen.
  2. Wer selbst baut, wird neben den ebenfalls deutlich gestiegenen Grundstückspreisen von höhere Bereitstellungszinsen getroffen. Hier zahlt man Zinsen auf den ungenutzten Teil des Baudarlehens, der noch nicht abgerufen ist. Für das Verwahren von Geld lassen sich die Banken entlohnen. Hintergrund: Geldhäuser müssen für Einlagen bei der EZB einen Strafzins von -0,40% bezahlen. Und wenn die EZB diesen Zins auf -0,50% senkt, wonach es sehr stark aussieht, steigen die Kosten weiter.
Fazit:
Die ultratiefen Zinsen bieten eine große Chance sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Es gibt gibt aber auch Schattenseiten: Der kräftige Anstieg der Immobilienpreise in Deutschland führt dazu, dass man heute sehr hohe Kaufpreise bezahlen muss.

Wer vor zehn Jahren sein Wunschobjekt zu einem aus heutiger Sicht recht niedrigen Kaufpreis erwarb und zu einem damaligen 10-Jahres-Bauzins von 4% finanzierte, steht besser da, als jemand der heute finanziert. Denn seine Zinsbindung läuft aus, und er ist in der Lage sich eine Anschlussfinanzierung zu weniger als 1% zu sichern.