Das Zinskarussel dreht sich weiter

Die Nachfrage nach sicheren Bundesanleihen schwächt sich seit dem Beginn der zweiten Jahreshälfte etwas ab. Infolge kommt es zu einem leichten Zinsanstieg bei der Zehnjährigen von -0,41% auf -0,30%. Eine Trendwende ist das nicht. Schon bald dürfte es neue Rekordtiefs geben. Danach wird die Inflation wegen dem weichen Euro anziehen. Damit endet dann die Talfahrt der Zinsen.

In den USA steht die erste Leitzinssenkung seit Dezember 2008 unmittelbar bevor. US-Notenbankchef Jerome Powell gibt unmissverständlich zu verstehen, den US-Leitzins am 31. Juli 2019 herabzusetzen. Die Aktienindizes an der Wall Street feiern Powells Ankündigung mit Rekordhochs. Der Zinsabstand (Spread) zwischen deutschen Bundesanleihen zu US-Treasuries verringert sich.

Der Staatsanleihen-Spread zwischen den USA und Deutschland verkleinert sich in den letzten acht Monaten von 2,7% auf 2,3%. Zehnjährige US-Treasuries rentieren aktuell bei 2%. Im November 2018 sind es 3,2%, was viele deutsche Banken seinerzeit veranlasst, verstärkt US-Staatsanleihen zu kaufen. Die Rendite auf die Bundesanleihe ist Ende 2018 zwar mit 0,5% im positiven Terrain. Im Vergleich zu den USA ist der Zins, den Finanzminister Scholz bietet, Magerkost.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird sich nicht lange bitten lassen, mit einer noch lockeren Geldpolitik auf die Leitzinssenkung in den USA zu antworten. Wie weit sich damit der Zins auf die Bundesanleihe noch drücken lässt, wird man sehen. Für die EZB ist der deutsche Referenzzins von großer Bedeutung. Je tiefer sie ihn drückt, um so tiefer sinken auch die Zinsen in Italien und anderen hochverschuldeten Euroländern.

Weicher Euro

Unzähligen Leitzinssenkungen und der Ankauf von Staatsanleihen mit frisch geschöpften Geld aus der Notenpressen fordern ihren Tribut. Der Euro bringt aktuell nurmehr 1,12 Dollar auf die Waage. Als Draghi vor knapp zehn Jahren die EZB übernimmt, kostet der Euro 1,40 Dollar.


Die Gemeinschaftswährung soll schwach sein, so wünschen es sich Frankreich, Italien und Spanien. Ein schwacher Euro führt dazu, dass die Inflation über die Importschiene steigt. Und das schränkt den Abwärtsspielraum bei der Rendite der Bundesanleihen und damit auch bei den Bauzinsen ein. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

EZB aktionistisch

Es wird noch einige Monaten dauern, bis die Ebbe kommt und man sehen wird, dass Draghi ohne Badehose ins Wasser ging. Die EZB ähnelt inzwischen sehr stark einer Notenbank aus einer aufstrebenden Volkswirtschaft wie Brasilien. Sie ist aktionistisch und wird sehr stark von Politikern beeinflusst. Vor der Draghi-Ära hatte die EZB noch das Vermögen bei turbulenten Entwicklungen an den Finanzmärkten eine ruhige Hand zu bewahren.

An den Aktienmärkten könnte es nach einem halben Jahr Kursrallye als nächstes zu einer Korrektur kommen. Anleger würden erneut in die als besonders sicher geltende deutschen Staatsanleihen flüchten und Finanzminister Scholz die Bude einrennen. Der Zins auf die Bundesanleihen könnte dann auf -0,50% bis -0,60% fallen. Dass es noch tiefer nach unten geht, ist kaum vorstellbar.