Günstige Bauzinsen, teure Forward Darlehen

Wer sich Geld für den Kauf einer Immobilie geliehen hat, braucht in der Regel eine Anschlussfinanzierung. In diesem Zusammenhang ist immer wieder der Fachbegriff Forward Darlehen zu hören. Hiermit lassen sich die aktuell niedrigen Zinsen bis zu fünf Jahre einfrieren. Zum Nulltarif gibt es das Ganze aber nicht.

Um ein Forward Darlehen abzuschließen, muss man als Kreditnehmer überzeugt sein, dass die Zinsen künftig steigen. Das reicht aber nicht. Damit sich ein Forward Darlehen rechnet, braucht es die Fähigkeit punktgenau einen sehr steilen Zinsanstieg vorherzusagen. Folgendes Beispiel bringt Licht ins Dunkel:
  • Lisa hat im Jahr 2013 ein zehnjähriges Baudarlehen in Höhe von 200.000 Euro zu einem fixen Jahreszins von 2,7% aufgenommen.
  • 2024 muss sie eine Anschlussfinanzierung unter Dach und Fach bringen.
  • Aktuell sind zehnjährige Baudarlehen für einen Jahreszins von 0,60% zu haben
  • Lisa hat BWL studiert. Sie sagt: Die Zinsen werden in der ersten Hälfte des nächsten Jahrzehntes kräftig steigen. Kapitalismus und Soziale Marktwirtschaft können dauerhaft mit extrem niedrigen Zinsen nicht funktionieren, ist Lisa überzeugt.
  • Sie schließt ein Forward Darlehen ab, um den aktuellen Bauzins von 0,60% einzufrieren.

Lisa behält recht. Der Zins auf ein zehnjähriges Baudarlehen verdoppelt sich bis 2023 auf 1,20%.
  • Lisa bekommt die Anschlussfinanzierung für die nächsten zehn Jahre zu einen fixen Jahreszins von 0,60%.
  • Für das Forward Darlehen stellt ihr die Bank einen Zinsaufschlag in Rechnung. Dieser beträgt 0,02% pro Monat.
  • Da Lisa vier Jahre (48 Monate) vor dem Ende der Erstfinanzierurng das Forward Darlehen zog, beträgt der Zinsaufschlag 0,96%. Die Anschlussfinanzierung für die nächsten zehn Jahre erfolgt daher zu einem Jahreszins von 1,56% (0,60% + 0,96%).
  • Hätte Lisa kein Forward Darlehen abschlossen, würde sie die Anschlussfinanzierung zu einem Jahreszins von 1,20% bekommen.
Für Lisa wird das Forward Darlehen wegen dem hohen Zinsaufschlag zu einem Minusgeschäft. Hervorzuheben ist, dass Lisa mit ihrer Zinsprognose richtig lag und dennoch am Ende mehr bezahlt. Hätte sie mit ihrer Einschätzung über die Zinsentwicklung falsch gelegen, wäre der finanzielle Schaden aus dem Forward Darlehen noch größer.

Ergebnis:
Forward Darlehen sind mit hohen Kosten verbunden und daher mit Vorsicht zu genießen. Ein Zinsaufschlag von 0,02% pro Monat kann eine richtige Zinsprognose zerschießen. Hinzu kommt: Bereits zwölf Monate vor dem Ablauf der Erstfinanzierung lassen sich altes und neues Baudarlehen aufeinander abstimmen. Man kann so die Zinsen für zwölf Monate kostenlos einfrieren, benötigt kein Forward Darlehen und bezahlt auch keinen Zinsaufschlag.